Sexuelle Bildung an Schulen hat den Anspruch, Vielfalt und Akzeptanz zu fördern; paradoxerweise führen die oberflächlichen Diversitätsbestrebungen aber zu einer Reproduktion und Verfestigung heteronormativer Geschlechter- und Sexualitätsnormen. Cindy Ballaschk zeigt auf, wie Sexualität in Liebesbeziehungsideale eingehegt wird und binäre Geschlechterordnungen subtil, aber wirksam stabilisiert werden. Basierend auf problemzentrierten Interviews mit Berliner Lehrkräften sowie der Analyse von sexualpädagogischen Bildungsmaterialien führender Anbieter arbeitet die Autorin heraus, wie Wissen und scheinbare Wahrheit in der Schule nicht nur vermittelt, sondern aktiv produziert werden. Sie hebt hervor, wie sich besonders in Othering-Konstruktionen rassistische, klassistische und ableistische Zuschreibungen manifestieren. Statt reformistische Lösungen anzubieten, entwickelt sie eine radikale Kritik der schulischen Wissensproduktion und hält fest, dass die Institution Schule selbst Teil des Problems ist.