Das Hörbuch Hinaus in den Wind von Trude Teige ist der zweite Band rund um die Schifferin Kristiane und zugleich ein historischer Roman, der uns erneut an die raue norwegische Westküste führt. Gesprochen wird das Hörbuch wieder von Yara Blümel, deren angenehme und ruhige Stimme bereits im ersten Band sehr gut zu dieser Geschichte gepasst hat. Nachdem mich Der Gesang der See mit seiner besonderen Atmosphäre und der starken Hauptfigur sehr begeistern konnte, habe ich mich auf die Rückkehr zu Kristiane und ihrer Familie gefreut.
Auch in diesem Band steht Kristiane im Mittelpunkt. Sie hat sich an der norwegischen Küste ein gutes Leben für sich und ihre Familie erkämpft und möchte nun, dass ihr Sohn Anders die Familientradition fortführt und Schiffslotse wird. Anders hat allerdings ganz andere Vorstellungen von seiner Zukunft, denn sein Herz schlägt für die Musik. Während Kristiane versucht, ihren Sohn auf den für sie richtigen Weg zu lenken, macht sie am Strand eine dramatische Entdeckung, die nicht nur ihre Familie, sondern die gesamte Fischergemeinschaft beschäftigt. ...
Yara Blümel hat mir als Sprecherin wieder sehr gut gefallen. Ihre ruhige und klare Stimme passt wunderbar zur nordischen Atmosphäre und lässt die Geschichte angenehm dahinfließen. Besonders die Beschreibungen des Meeres, des Windes und der Landschaft kommen durch ihre zurückhaltende Art schön zur Geltung. Auch die emotionaleren Momente vermittelt sie stimmungsvoll, ohne dabei zu übertreiben. Für mich gehört ihre Stimme inzwischen fest zu Kristianes Geschichte.
Trude Teiges Schreibstil empfinde ich erneut als flüssig, bildhaft und atmosphärisch. Besonders ihre Beschreibungen der norwegischen Küste haben mir wieder sehr gefallen. Beim Zuhören konnte ich mir die raue Landschaft, das Meer und den Wind gut vorstellen. Die Natur ist dabei nicht einfach nur Hintergrund, sondern prägt das Leben der Menschen und die gesamte Stimmung des Romans. Gleichzeitig erzählt die Autorin von Familie, Traditionen, Erwartungen und der Frage, wie weit man die eigenen Vorstellungen auf einen geliebten Menschen übertragen darf.
Kristiane ist für mich auch in diesem Band eine interessante und starke Figur. Sie hat sich in einer von Männern geprägten Welt behauptet und ist es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig zeigt sich diesmal stärker ihre mütterliche Seite. Gerade ihr Umgang mit Anders und seinen eigenen Wünschen hat mich allerdings nicht immer überzeugt. Ich konnte ihre Haltung nachvollziehen, fand sie stellenweise aber auch etwas stur. Interessant ist dabei gerade der Gedanke, dass Kristiane selbst einst für ihre eigenen Wünsche und ihre Freiheit kämpfen musste und nun Gefahr läuft, ihrem Sohn genau diese Freiheit nicht zugestehen zu wollen.
Im Vergleich zu Der Gesang der See konnte mich die Fortsetzung allerdings nicht ganz so stark fesseln. Die Geschichte hat mir durchaus gefallen und ich habe gerne wieder Zeit mit Kristiane und ihrer Familie verbracht. Trotzdem empfand ich einige Entwicklungen als vorhersehbar. Dadurch fehlten mir stellenweise etwas die Spannung und die Überraschungsmomente, die ich im ersten Band so mochte. Auch emotional hat mich die Geschichte dieses Mal nicht ganz so tief erreicht.
Trotzdem ist es eine atmosphärische Fortsetzung mit einer starken Protagonistin und einer wunderbaren Sprecherin, die ich gerne weiterempfehle.