Die letzte Mission ist noch nicht einmal beendet und schon müssen die Gefährten neue Aufträge erfüllen: Scholell muss sich eigenen Gefahren stellen, Godered verschlägt es nach Fil, um den magischen Speer ausfindig zu machen, und Brinok und Co müssen den Armschienen erneut hinterher jagen.
Abermals bat er um Vergebung, auch für das, was er tun würde. Dann atmete er tief durch und drängte mit Macht seine Gefühle in ihr Verlies zurück. Diesmal dauerte es länger als gewohnt, was ihm missfiel. Er wischte sich die Tränen fort, wartete einen Moment, bis alle Spuren getrocknet waren, und erhob sich von der Bank. Dann straffte er die Schultern und sah sich um. -Godered
Wieder einmal hat es Iris Hennemann geschafft, ein Meisterwerk in der Fantasy-Reihe rund um die Rüstung Amboreg zu erschaffen. Dabei ist dieser Band nicht unbedingt besser als seine Vorgänger, aber er ist mindestens genauso gut. Ein kleines Highlight sind wie immer die Karte und die Liste der wichtigsten Personen am Anfang sowie detaillierte Beschreibungen und Bilder der Charaktere, der Orte und Informationen an sich im langen Anhang am Ende. Auch die Charakterkarten und Lesezeichen waren ein schönes Extra und das Cover passend zum Inhalt harmoniert mit den anderen. Der Schreibstil ist flüssig und bildlich, wie wir es gewohnt sind, sodass man sehr gut durch die immer komplexer werdende Welt kommt. Die vielen verschiedenen Sichtweisen verleihen dem Roman Tiefe und führen uns auf insgesamt drei Pfaden durch die spannende Geschichte, die genau dort anfängt, wo der dritte Teil der Reihe fieserweise aufgehört hat.
Das Beste heben wir uns zum Schluss auf (wer es noch nicht weiß, das wäre alles, was mit Godered zusammenhängt), also nehmen wir uns Scholells Geschichte zuerst vor. Er hat eine deutliche Entwicklung hinter sich, dessen Auswirkungen wir nun vor Ort sehen, aber es fällt nicht so deutlich auf, weil die anderen Charaktere ihn fast überschatten. Seine Kapitel waren am informativsten, denn das Ahlorenreich steckt voller Überraschungen. Allgemein wurde die fantastische Welt mit der Vorstellung des Ahlorenreichs erweitert und mit jeder Stadt, jedem Gebäude und jeder neuen Technik wurde es interessanter und vielseitiger. Hier stecken ganz viele Überraschungen, ob gute oder böse ist noch abzuwarten, und ich bin sehr gespannt auf den fünften Band der Reihe. Das werde ich wahrscheinlich öfter sagen, weil die gemeinen Cliffhanger, ja, wir haben mehrere in einem Buch, die Spannung bis zum Zenit getrieben haben.
Außerdem haben wir die Gruppe rund um Brinok und Lanaris, wo wir auch Mefido und Teraal wieder treffen und die Dunak Tor Li zum ersten Mal begrüßen. Diese begeben sich nach Ostiedien, was bedeutet, dass noch ein weiteres beeindruckendes Land freigeschaltet wird. Hier haben mich die Charaktere und die Story gleichermaßen begeistert, weil es fesselnd vorangeht und der Fortschritt vielversprechend und gruselig ist, aber auch die Figuren weiterentwickelt werden, sodass man Lanaris, Brinok und den Rest super gerne verfolgt. Die Krieger sind auf der Suche nach den Armschienen, die wir im dritten Band der Reihe ausfindig gemacht haben und es wechseln sich informations- und actionreiche Szenen ab, wodurch es nie langweilig wird. Bis zum Schluss ahnt man nicht, wie es ausgeht und ich habe das Spektakel genossen, so lange es anhielt. Unser Brinok hat davor viel durchmachen müssen und auch jetzt wird er nicht verschont. Das gleiche gilt für die neue Anführerin Lanaris und selbst wenn die anderen Personen nicht so sehr im Fokus stehen wie die zwei, liest man aus jeder Sichtweise gern. So kamen alle Dunak Tor gut zur Geltung und es war ein unvorhersehbares Stück der Story.
Schlussendlich verfolgen wir Godereds Truppe rund um Lanna und Ernwic sowie andere Dunak Tor, die nach und nach dazukommen, ins Rogarland zur gefährlichen Hexeninsel Fil. Das sind also die Kapitel, auf die ich mit jeder Seite hinfiebere und das definitiv nicht umsonst, denn jede Szene hat sich gelohnt. Wegen dem unglaublichen Ende möchte ich direkt weiterlesen und ich werde wahrscheinlich so lange vor Angst, Erwartungen und Vorfreude zittern, bis ich den nächsten Roman in der Hand halte. Am Anfang wurden die Leser mit Neuigkeiten überhäuft und im zweiten Teil des Buches nahmen die Spannung und der Horror Oberhand. Lanna hat die mysteriöse Note hinzugegeben, während die anderen Dunak Tor starke Kämpfer waren, die man im Gefecht gegen die Gobarem brauchte. Übrigens wird mit jedem Land auch dessen Kultur aufgezeigt, die sehr verschieden sein kann. Dadurch ist die gesamte Amboreg-Buchreihe vielschichtig und verarbeitet auch ernste Themen. Besonders die letzten Kapitel waren so spannungs erfüllt wie nie zuvor, was die Erwartungshaltung höher denn je werden lässt. Dann haben wir meinen unangefochtenen Liebling Godered, der eine neue verletzliche Seite von sich zeigt, weshalb ich auch das Zitat oben gewählt habe. Es ist schön, tragisch und packend zugleich und ich habe die kurze Zeit mit ihm in vollen Zügen genossen. Wie er sich mit seiner düsteren Vergangenheit auseinandersetzen muss und währenddessen seine Kameraden schützt und seine Gefühle zulässt, war fantastisch. Besser muss man es erst einmal machen können.
Insgesamt war der vierte Band der High-Fantasy-Reihe den vorherigen absolut würdig und ich habe jede einzelne Seite voller Abenteuer verschlungen!