Jean-Marc, Anwalt in Aix-en-Provence und einer der besten Freunde von Antoine Verlaque und Marie Bonnet, zweifelt an sich selbst. Statt der Augusthitze zu entfliehen und mit seiner ehemaligen Studentenclique in den wohlverdienten Bretagne-Urlaub zu fahren, ist er daheim geblieben. Und wofür? Für eine kleine Rolle in der neuesten Inszenierung am Théâtre Vendôme. Als er die Hauptdarstellerin kennenlernt, sind seine Zweifel jedoch beseitigt. Welcher Laienschauspieler hat schon die Ehre zusammen mit Liliane Poncet, der Grande Dame des französischen Films, auf der Bühne zu stehen? Auch der Co-Star der Aktrice entpuppt sich als Bühnenprofi. Gauthier Lesage hatte zudem vor vielen Jahren kurzzeitig ein Verhältnis mit Liliane. Nicht nur deshalb erweisen sich die Bühnenproben als eher schwierig. Doch das diese Unstimmigkeiten in einem Mord gipfeln, konnte niemand ahnen.
Die Kanadierin Mary L. Longworth lebt seit 1997 in Aix-en-Provence und gewährt den Lesern mit ihren Krimis Einblicke in ihr dortiges Umfeld. Ich bin ein Fan ihrer Verlaque & Bonnet-Reihe und wurde kurzweilig unterhalten. "Verbrechen im Theater Vendôme" ist auch für Quereinsteiger lesenswert.
Die im Theater aufgefundene Leiche unterbricht die Proben abrupt. Kommissar Bruno Paulik und Untersuchungsrichter Antoine Verlaque ermitteln gemeinsam. Hat Anouk Singer, die etwas verpeilte Leiterin des Theaters, ihre Hände im Spiel? Ein zweites Mordopfer weist in eine andere Richtung. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und die Ermittler tappen im Dunkeln. Eine geheimnisvolle Unbekannte, gekleidet im Stil der 1930er Jahre, wurde wiederholt in der Nähe des Theaters gesehen. Das erste Mordopfer steckte in einer finanziellen Schieflage. Liegt hier irgendwo das Tatmotiv?
Wie gewohnt spart die Autorin nicht an französischem Savoir-vivre und Lokalkolorit. In diesem Fall spielen Marcel Pagnol und sein Film "Cigalon" eine besondere Rolle. Die Begeisterung von Liliane Poncet für den Provence-Schriftsteller und Regisseur ist der Grund, warum sie am kleinen Provinztheater Vendôme eine Rolle übernimmt als "Cigalon" dort auf die Bühne kommen soll. Auch das Privatleben ihrer Ermittler kommt zur Sprache. Die Geburt von Antoines und Marines erstem Kind steht unmittelbar bevor und sorgt für Nervosität. Trotzdem kommt der Fall nicht zu kurz. Nach einigen Wendungen und viel Recherche entdecken die Ermittler das Motiv, welches zu den Verbrechen führte. Damit steht der erfolgreichen Aufklärung des Doppelmords nichts mehr im Weg.
Der gelungene Mix aus spannendem, eher ruhigem Krimi, französischer Lebensart, provenzalischem Flair und dem Privatleben der Hauptfiguren hat mich erneut bestens unterhalten. Ich komme immer wieder gern zurück nach Aix-en-Provence, genieße das Urlaubsfeeling, verfolge die Ermittlungen, rate mit und vermisse vor Blut triefende Action kein bisschen.
4,5 Sterne