
Schön, verwitwet, verschuldet und skrupellos: Lady Susan Vernon lenkt Liebhaber, Verwandte und die eigene Tochter mit Charme und Heuchelei. Jane Austens bissiger Briefroman zeigt eine Heldin, die vor keiner Intrige zurückschreckt.
Lady Susan Vernon ist schön, verwitwet, nicht mehr ganz jung, und sie hat Schulden. Vor allem aber ist sie die gefährlichste Frau Englands. Mit Charme, Witz und vollendeter Heuchelei lenkt sie jeden, der ihr begegnet: ihren arglosen Schwager, den verheirateten Mr. Manwaring, dessen eifersüchtige Frau und den jungen, stolzen Reginald De Courcy, der sie eben noch verachtet hat und ihr wenig später zu Füßen liegt. Nur ihre sechzehnjährige Tochter Frederica will sich nicht fügen. Sie soll den reichen, aber einfältigen Sir James Martin heiraten, und dagegen wehrt sie sich.
Ihre einzige Gegenspielerin ist Catherine Vernon, ihre Schwägerin. Sie durchschaut Lady Susan vom ersten Tag an und muss doch hilflos zusehen, wie ihr eigener Bruder in die Falle geht.
In einundvierzig Briefen lässt Jane Austen ihre Figuren selbst sprechen. Am meisten verraten dabei die Briefe, die Lady Susan an ihre Vertraute schreibt: Sie sind bissig, schamlos und von entwaffnender Offenheit. Der Leser weiß stets mehr als die Betrogenen, und gerade daraus entsteht die Spannung.
Austen schrieb diesen frühen Roman um 1794, veröffentlicht wurde er erst 1871, mehr als fünfzig Jahre nach ihrem Tod. Er zeigt eine überraschend andere Austen: kühl, scharfzüngig und ohne jede Rücksicht auf die Tugend ihrer Hauptfigur. 2016 wurde er unter dem Titel "Love & Friendship" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Jugendwerk von Austen) verfilmt.
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