Die Verwendung des Worts zeln ist dominant durch seine pragmatische Funktion geprägt: zeln, das ist zuallererst das emphatische und öffentliche Zuschreiben von Rang und Amt, von Schönheit, Tapferkeit, Freiheit usw. Zeln ist zunächst immer ein Akt der Mitteilung in der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Die Kerbholzüberlieferung, das materiell-notationale Komplement des sprachlichen Zählens, wird zum Zweck der Überprüfung und Perspektivierung der Ergebnisse erstmals vollständig gesichtet und analysiert. Auch das Gelingen der kerbholzbasierten Kommunikation ist immer an soziale Situationen gebunden. Kein Kerbholz zählt ohne die Gegenwart derer, deren Besitz es markiert.
Inhaltsverzeichnis
1;Front Cover;1 2;Title Page;4 3;Copyright;5 4;Inhalt;6 5;Vorwort / Dank;12 6;Einleitung;14 7;I. Fragen und Forschungen zur Geschichte des numerischen Wissens im Mittelalter;18 7.1;1. Forschungslage I: Fallstudien;18 7.1.1;1.1 Blinde Flecken: Geschichtserzählungen und Zahlgeschichten;19 7.1.1.1;1.1.1 Geschichtserzählungen;19 7.1.1.2;1.1.2 Zahlgeschichten;21 7.1.2;1.2 Exemplarische Studien zur Historisierung des Zahlgebrauchs;23 7.1.2.1;1.2.1 Philosophische Reflexionen;25 7.1.2.2;1.2.2 Literarische Einbindungen;31 7.1.2.3;1.2.3 Ökonomische Formatierungen;42 7.1.2.4;1.2.4 Sprachliche Instanziierung;56 7.1.3;1.3 Resümee ;63 7.1.3.1;1.3.1 Zusammenfassung;63 7.1.3.2;1.3.2 Offene Fragen ;66 7.2;2. Forschungslage II: Methodische Voraussetzungen;71 7.2.1;2.1 Kulturtechnische Öffnung der Philologie;71 7.2.1.1;2.1.1 Oralität und Literalität;71 7.2.1.2;2.1.2 Von der philologischen Mediengeschichte zur Kulturtechnik;72 7.2.1.3;2.1.3 Oralität Literalität Numeralität;73 7.2.2;2.2 Mathematikgeschichtliche Öffnung der Informationsgeschichte ;74 7.2.2.1;2.2.1 Gemeine Sprache gemeine Zahl in der frühen Neuzeit?;75 7.2.2.2;2.2.2 Grenzen der Übertragung;76 7.2.2.3;2.2.3 Vor der Normierung;78 7.2.3;2.3 Sachgeschichtliche Öffnung der historischen Semantik;80 7.2.3.1;2.3.1 Linguistische Transparenz und Entsprachlichungsvorwurf;81 7.2.3.2;2.3.2 Zur Rephilologisierung der historischen Semantik;82 7.2.3.3;2.3.3 Ein historisch-philologischer Neueinsatz in drei Thesen;84 7.3;3. Begriffliche Integration des Arbeitsfeldes und Konzeption des Darstellungsteils;88 7.3.1;3.1 Kulturtechniken: operational operativ operal;88 7.3.2;3.2 Maximen für eine Geschichte des numerischen Wissens im Mittelalter;92 7.3.3;3.3 Vorhaben;94 7.3.3.1;3.3.1 Fokussierung;94 7.3.3.2;3.3.2 Gliederung des Darstellungsteils;94 8;II. zeigen zählen erzählen. Wortgeschichte im kulturtechnischen Horizont;98 8.1;1. Was bedeutet Zahl ursprünglich?;98 8.1.1;1.1 Kluge/Seebold: Die Kerbholz-Theorie;99 8.1.2;1.2 Paul/Henne: Die Verzwei
gungs-Theorie;103 8.1.3;1.3 Grimm/Heyne: Die Parallelentwicklungs-Theorie;104 8.2;2. Zwischenbilanz ;108 8.3;3. Ein alternatives Modell für die Bedeutungsentwicklung;110 8.3.1;3.1 Vulgärlateinisch taliare: die einfachste form, zählungen für das auge festzuhalten;110 8.3.2;3.2 Althochdeutsch zala: Operationale Verfahren schieben sich zwischen zählen und erzählen;116 8.3.3;3.3 Frühneuzeitliche Zyffer tzale: Eine mathematische Metasprache besetzt den Zahlbegriff;120 8.4;4. Zusammenfassung;122 9;III. erzählen zählen zusprechen. Die Bedeutungsvariation von mhd. zal und zeln;124 9.1;1. Was heißt zal im Mittelhochdeutschen? Polarität vs. Kontinuität der Bedeutungsvariation ;127 9.1.1;1.1 Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von G. F. Benecke, W. Müller und F. Zarncke;127 9.1.1.1;1.1.1 Zur Architektur des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs;127 9.1.1.2;1.1.2 Das Lemma zal im Benecke/Müller/Zarncke;128 9.1.1.3;1.1.3 Kritik;131 9.1.2;1.2 Das Mittelhochdeutsche Handwörterbuch von Matthias Lexer ;133 9.1.2.1;1.2.1 Zur Architektur des Mittelhochdeutschen Handwörterbuchs ;133 9.1.2.2;1.2.2 Das Lemma zal im Lexer;134 9.1.2.3;1.2.3 Kritik;138 9.1.3;1.3 Zwischenresümee und offene Fragen;139 9.2;2. Die Einbeziehung von Kontrollkorpora;141 9.2.1;2.1 Zum Stand der mittelhochdeutschen Lexikographie;141 9.2.2;2.2 Die Leistung der Kontrollkorpora;143 9.2.2.1;2.2.1 Das Bochumer Mittelhochdeutsch Korpus;143 9.2.2.2;2.2.2 Das Korpus des Wörterbuchs der mittelhochdeutschen Urkundensprache;145 9.2.2.3;2.2.3 Perspektivierung der Thesen von Wilhelm Müller und Matthias Lexer;146 9.2.3;2.3 Was bedeutet zal im Mittelhochdeutschen? Ergebnisse;150 9.2.3.1;2.3.1 Textsortenspezifische Verwendung;150 9.2.3.2;2.3.2 Pragmatische Situation und semantische Differenzierung ;150 9.2.3.3;2.3.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerung;154 9.3;3. Was heißt zeln im Mittelhochdeutschen?;155 9.3.1;3.1 Die Artikelstrukturen im Benecke/Müller/Zarncke und im Lexer;155 9.3.2;3.2 Auswertung der Belege ;156 9.3.2.1;3.2.1 Quantifizi
eren;157 9.3.2.2;3.2.2 Mitteilen;158 9.3.2.3;3.2.3 Zuschreiben;162 9.3.3;3.3 Zusammenfassung und Einordnung;166 9.3.3.1;3.3.1 Semantik;166 9.3.3.2;3.3.2 Syntax ;168 9.3.3.3;3.3.3 Pragmatik;169 9.3.3.4;3.3.4 zeln im Sinnbezirk des kommunikativen Handelns ;170 9.3.3.5;3.3.5 Zur Medialität der Zahl;180 10;IV. Zuteilen zählen zahlen. Legitimation und Operationalisierung von Kerbholznotationen;184 10.1;1. Philologischer und archäologischer Befund ;185 10.1.1;1.1 Wie spricht man über das Zählen auf Kerbhölzern?;185 10.1.1.1;1.1.1 Bezeichnungen und Funktionsspektrum von Kerbhölzern im Spätmittelalter;186 10.1.1.2;1.1.2 Bezeichnung und Zeichentypus von Kerbreihen ;190 10.1.2;1.2 Die Gestalt der überlieferten Objekte;194 10.1.2.1;1.2.1 Früheste Kerbhölzer aus der Bronzezeit;195 10.1.2.2;1.2.2 Mittelalterliche Kerbhölzer 800 bis 1400 ;198 10.1.2.3;1.2.3 Englische exchequer tallies und spätere kontinentaleuropäische Kerbholztypen;213 10.1.3;1.3 Zeichen jenseits der Differenz von Bild, Schrift und Ziffer;216 10.1.3.1;1.3.1 Die formalen Verwandten im Manuskript;216 10.1.3.2;1.3.2 Die funktional und formal verwandten Zeichen auf Objekten;220 10.1.4;1.4 Zusammenfassung und Einordnung in die Forschung;236 10.1.4.1;1.4.1 exchequer tallies;237 10.1.4.2;1.4.2 Holzurkunden der Schweiz;238 10.1.4.3;1.4.3 Une enquête sur la taille;240 10.1.4.4;1.4.4 Neuere Beiträge;242 10.2;2. How to do things with notches;243 10.2.1;2.1 Modalitäten der Güterübertragung zwischen Kult und Kode;243 10.2.1.1;2.1.1 Eigentum übertragen: die festuca notata;246 10.2.1.2;2.1.2 Das Verblassen des Sakraments: Andreas Heuslers Theorie zur Genese des Kerbholzes;249 10.2.1.3;2.1.3 Zusammenfassung;257 10.2.2;2.2 Zählungen operativieren;260 10.2.2.1;2.2.1 Vom Zuteilen zum Zählen: das Tennenbacher Güterbuch;266 10.2.2.2;2.2.2 Vom Zählen zum Zahlen: Kerbhölzer im Nord- und Ostseehandel;268 10.2.2.3;2.2.3 Zusammenfassung;278 10.2.3;2.3 Zählungen autorisieren;279 10.2.3.1;2.3.1 Die Kodierung der exchequer tallies;280 10.2.
3.2;2.3.2 Die Geltung kultisch erneuern ;284 10.2.3.3;2.3.3 Zusammenfassung;288 10.3;3. Kerbhölzer als protoschriftliche Medien und die Anfänge der Operationalisierung im Bereich der Mündlichkeit;289 10.3.1;3.1 Schriftzeichen vs. Kerbzeichen ;290 10.3.2;3.2 Kerben schreiben;297 10.3.3;3.3 Integration von Wort- und Sachgeschichte;302 11;Schluss;306 11.1;Ergebnisse;306 11.2;Offene Fragen;308 12;Bibliographie;315 12.1;Handschriften;315 12.2;Textausgaben;316 12.3;Forschungsliteratur;326 13;Abbildungsverzeichnis;357 14;Register;360 15;Back Cover;370