Max ist drei Jahre jünger als Julius. Er bewundert seinen großen Bruder, lernt aber bereits in der Kindheit Julius negative Seite kennen. Und doch kann die beiden nichts trennen, so dass Max sogar seinem Bruder nach Berlin folgt, wo beide studieren. Selbst als beide Nina kennen- und lieben lernen, zerbricht ihre Verbundenheit nicht daran. Das passiert schleichend. Als Julius beruflicher Erfolg als Journalist ins Wanken gerät, während Max erfolgreich eine Arztpraxis führt. Julius verändert sich, sieht in allem eine Verschwörung. Was ihm da alles durch den Kopf gegangen ist, fand ich mitunter mehr als haarig. Zudem wird sein Handeln dadurch immer radikaler. Weder Nina noch Max können sein Verhalten verstehen, sie machen sich Sorgen um ihn. Denn seit 29.8.2020 wird Julius polizeilich gesucht nachdem eine Demo gegen Corona außer Kontrolle geraten ist. War er da anfangs nur der Dokumentator, wechselte er dann auf die Seite der Stimmungsmacher und Randalierer.
Die Beschreibungen des Autors zu den menschlichen Bindungen, wie auch die Entgleisungen fand ich schon sehr interessant. Da die Geschichte einen zeitlich großen Rahmen umfasst, haben die in die Handlung einfließenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ereignisse mich auch gleichzeitig an meine eigenen Erlebnisse dazu abschweifen lassen. Wobei Andras Wunn hier sehr, sehr viele Daten und Fakten einfließen ließ, wofür ich ihn bewundere. Genau so viel, dass es auf mich nicht überladen wirkte. Was ich allerdings gar nicht verstehen konnte, war die Beziehung beider Brüder inklusive Sex mit Nina. On Off und immer wieder von vorn. Das hätte mich krankgemacht. So richtig konsequent war wirklich nur der gemeinsame Freund Milton. Insgesamt gebe ich 3,5 Lese-Sterne.