Leider war das Buch für mich eine große Enttäuschung. Die Grundidee fand ich wirklich interessant: Zwei Frauen beschließen, ausgerechnet den Mann, den sie für völlig ungeeignet halten, zu ihrem persönlichen "Projekt" zu machen und ihn zum perfekten Partner umzuformen. Daraus hätte eine richtig spannende und bissige Geschichte entstehen können. Leider wurde diese Idee meiner Meinung nach miserabel umgesetzt.
Vor allem Daisy war für mich kaum auszuhalten. Ihre kindische, anstrengende und teilweise völlig überzogene Art hat mich beim Lesen zunehmend genervt. Sie weiß selbst nicht wirklich, was sie will, tut aber ständig so, als hätte sie auf alles eine Antwort. Gleichzeitig versucht sie, Menschen und Situationen so lange zu manipulieren und hinzudrehen, bis sie in ihre Vorstellungen passen. Eine wirkliche Entwicklung konnte ich bei ihr kaum erkennen. Zumindest keine, die ihr Verhalten für mich nachvollziehbarer oder sympathischer gemacht hätte.
Besonders problematisch fand ich den Umgang mit dem Thema Feminismus. Für mich wirkt die Botschaft hier teilweise geradezu widersprüchlich. Daisy möchte James verändern, weil er nicht ihren Vorstellungen entspricht, und macht ihn damit buchstäblich zu einem Projekt. Für mich hat das nichts mit Selbstbestimmung zu tun. Selbstbestimmung wäre für mich zu sagen: "Dieser Mensch passt nicht zu mir, also gehe ich." Einen anderen Menschen so lange formen zu wollen, bis er den eigenen Vorstellungen entspricht, ist hingegen kontrollierend. Und ich bin davon überzeugt, dass wenn ein männlicher Protagonist seine Partnerin auf diese Weise zum Projekt machen und sie verändern wollen würde, wäre der Aufschrei völlig zu Recht sehr groß.
Auch sprachlich konnte mich das Buch nicht überzeugen. Der Schreibstil war für mich sehr einfach und hatte kaum Besonderheiten, die mir im Gedächtnis geblieben wären - abgesehen vom gendern, was hier den Lesefluss wirklich beeinträchtigt hat. Vieles fühlte sich unnötig ausführlich, gleichzeitig aber nicht besonders tiefgehend an. Gerade die feministischen und gesellschaftlichen Themen wirkten für mich teilweise eher wie eingeschobene Statements als wie etwas, das natürlich aus der Geschichte heraus entsteht.
Dazu kommt die permanente Misskommunikation. So viele Konflikte hätten sich mit einem einzigen vernünftigen Gespräch erledigen lassen, stattdessen wird ständig geschwiegen, interpretiert und aneinander vorbeigeredet. Dadurch wurde die Handlung für mich nicht spannender, sondern einfach nur anstrengend. Das Einzige, was ich dem Buch wirklich zugutehalten kann, ist die Grundidee. Die hätte meiner Meinung nach unglaublich viel Potenzial gehabt. Leider wurde daraus für mich eine Geschichte voller toxischer Dynamiken, unnötiger Konflikte und einer Protagonistin, deren Verhalten ich irgendwann einfach nur noch frustrierend fand. Für mich leider eine Geschichte mit einer tollen Idee, die an ihrer Umsetzung komplett gescheitert ist.