Als Max die Diagnose Gehirntumor erhält, geht auch noch ihr langjähriger Freund fremd und sie hat nun einiges, mit dem sie klar kommen muss. Zur Ablenkung überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Alice sie dazu, sich bei Tinder eine zwanglose Abwechslung zu suchen. Somit beginnt Max mit Johnny zu chatten und dabei die Familienrezepte von ihrem Ex auszuprobieren.
Der Anfang der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil hier vieles so offen ist. Max hat zwar eine schlimme Trennung hinter sich und eine schwere OP vor sich, aber weil sie genau an diesem Punkt steht, kann so vieles passieren. Die Chatgespräche mit Johnny sind richtig schön und humorvoll. Das Geplänkel der beiden war mein Highlight in diesem Buch! Die Beziehung zu Max' Ex Scott spielt auch eine wichtige Rolle und wird meist in Rückblicken erzählt, wodurch man ein richtig gutes Bild von deren Beziehung bekommt.
Die schönste Phase in diesem Buch ist die mit Johnny vor Max' Gehirn-OP. Danach hat mir die Geschichte sehr viel weniger Spaß gemacht, weil die Ex-Beziehung von Max vermehrt eine Rolle einnimmt. Eine große Rolle, immer wieder! Ich hätte mir gewünscht, die Autorin wäre hier mehr auf Max' Hier und Jetzt und ihre gewünschte Zukunft eingegangen. Die Entwicklung der Protagonistin ist aber meist nachvollziehbar dargestellt. Teilweise kann ich auch verstehen, dass die Ex-Beziehung zu Scott einen so großen Raum einnimmt, weil sie für Max' Charakterentwicklung wichtig ist. Hier wurde die Geschichte auch vermehrt französisch. Das gibt der Geschichte einen besonderen Touch, weil bisher auch schon die gekochten Rezepte aus Frankreich stammen (und es sind auch alle hinten im Buch abgedruckt), aber andererseits war dieser zweite französische Punkt sehr gewollt und erzwungen von der Autorin. Ein neuer Charakter, den Max hier kennenlernt, empfand ich total aufdringlich. Auch hier versteh ich den Sinn dahinter, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn es nicht so übertrieben lustig dargestellt worden wäre.
Apropos Witz: Am Ende des Buches gefällt mir der Humor der Autorin auch immer weniger (z. B. soll Max auf einen Staubsauger stehen, what?), ich musste Szenen sogar mehrmals lesen um sie zu verstehen. Der Humor zwischen Max und Johnny ist richtig locker und lustig, den der Autorin mochte ich insgesamt leider nicht. Der Schreibstil hingegen hat mir gut gefallen. Er ist locker und Max' Gefühle werden in bestimmten Situationen sehr intensiv und anschaulich beschrieben, was mich sehr berührt hat.
Fazit:
Der Anfang des Buches hat mir wirklich gut gefallen und das Potenzial war da. Aber leider ging der Augenmerk der Geschichte in eine andere Richtung, als ich erwartet und mir gewünscht hätte. Statt Max' Zukunft und auch die aufkeimende Beziehung zu Johnny, nimmt die Ex-Beziehung sehr, sehr viel Raum ein. Immer wieder ging es um die alte Beziehung zu Scott, was mich wegen ihm echt genervt hat. Wer gerne charakterorientierte Geschichte liest und französischen Flair mag, könnte hier Freude am Lesen haben.
2,5 Sterne