Theorie und Praxis fallen beim Recht auf Familiennachzug von Geflüchteten auseinander. Die verwaltungspraktische Umsetzung ist geprägt von enormen Problemen und bürokratischen Hürden. Geschlossene Botschaften, lange Wartezeiten und unzuverlässige Dokumente erschweren den Prozess erheblich. Viele Antragstellende scheitern, geben auf oder versuchen angesichts der Hürden gar nicht erst, ihre Rechte durchzusetzen.
Marie Beyrich examines the proverbial contrast between the "law in the books" and the "law in practice" when it comes to reunifying refugees with their families. Focusing on real-world administrative challenges, it shows that despite legal provisions, implementation faces immense problems and bureaucratic hurdles. Closed embassies, long waiting times, poor communication, and unreliable documents conspire to complicate the process, meaning that smooth procedures are rare, and that many applicants fail, give up, or do not even try to assert their rights when confronted with these barriers. Marie Beyrich untersucht, wie Theorie und Praxis beim Recht auf Familienzusammenführung von Geflüchteten auseinanderfallen. Der Fokus der Untersuchung liegt darauf, wie dieses Recht in der Verwaltungspraxis umgesetzt wird. Obwohl das deutsche Aufenthaltsgesetz ein Recht auf Familiennachzug gewährt, ist die praktische Umsetzung von immensen Problemen und bürokratischen Hürden geprägt. Diese Hindernisse führen dazu, dass Betroffene ihr Recht nur erschwert, verzögert oder gar nicht wahrnehmen können. Geschlossene deutsche Botschaften in Krisenländern zwingen Geflüchtete zu gefährlichen Reisen. Lange Wartezeiten, unzureichende Kommunikationskanäle und fehlende oder unzuverlässige Dokumente erschweren den Prozess zusätzlich. Die Autorin zeigt auf, dass das nicht nur Einzelfälle betrifft, sondern dass es vielmehr die absolute Ausnahme darstellt, dass das Familiennachzugsverfahren reibungslos abläuft. Viele Antragstellende scheitern angesichts der praktischen Hindernisse, geben auf oder versuchen nicht einmal, ihr Recht durchzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
B. Relevanz der Forschungsfrage
C. Methodische Herangehensweise
I. Forschungsstand - II. Methodik
D. Der Anspruch auf Familiennachzug - Analyse des Sollzustandes
I. Begrifflichkeiten - II. Präzisierung des Untersuchungsgegenstands - III. Materielle Voraussetzungen des Anspruchs auf Familiennachzug - IV. Verfahrensablauf - V. Geschichtliche Entwicklung
E. Analyse des " Ist-Zustands"
I. Der lange Weg bis zur persönlichen Vorsprache - II. Fristwahrende Anzeige - III. Erfüllung und Nachweis der materiellen Voraussetzungen - IV. Voraussetzungen für die Ausreise aus dem Drittland - V. Generelle Hürden bei der Dokumentenfrage - VI. Das Kontaktproblem - VII. Der Geschwisternachzug - VIII. Spezifische Probleme beim Familiennachzug von und zu Minderjährigen - IX. Der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten - X. Das Verwaltungsgericht Berlin - XI. Der Familiennachzug - Eine Frage der ausreichenden finanziellen Ausstattung?
F. Zur Dimension des Problems
I. Zahlen und Statistiken - II. Kategorisierungen - III. Zur Intensität des Leids - IV. Die Frage nach der Verantwortlichkeit