Der Roman 'Das Knistern im All' fällt bereits durch sein ungewöhnliches Cover ins Auge - eine Antilope vor einem Küstenhintergrund bei Nacht. Ich fand dieses Cover wunderschön und es spiegelt auch gut die Geschichte wider.
Denn auf der Insel Amrum fängt alles an. Der 15-jährige Matti ist dort auf Klassenfahrt, als ihm während eines psychischen Zusammenbruchs zum ersten Mal die Antilope (ein Impala) begegnet.
Dieses Buch ist trotz seiner Kürze von gerade einmal 167 Seiten kein Roman, den man mal eben wegliest. Die Sprache und der Stil des Autors sind speziell - ich gebe zu, manchmal hatte ich Schwierigkeiten zu verstehen, was er sagen möchte. Dennoch - oder vielleicht auch gerade deswegen - kommen die Stimmung und die Verfassung Mattis sehr gut rüber, sodass ich seinen psychischen Ausnahmezustand nachempfinden konnte. Immer wieder hat Matti Aussetzer, bei denen er dem Impala begegnet und das Knistern des Alls hört.
Ich fand es gut, wie das Thema psychische Gesundheit hier dargestellt wurde und dass eine komplexe Erkrankung nicht einfach wieder verschwindet. Wir begleiten Matti über mehrere Jahre und am Ende geht es ihm zwar besser, aber "gesund" ist er noch nicht.
Es war sehr berührend zu lesen, wie seine Freunde die ganze Zeit an seiner Seite sind, ihn unterstützen und auffangen, und wie er schließlich mit ihrer Hilfe aus der Psychiatrie flieht. Die Themen Freundschaft, Erwachsenwerden, Identitätsfindung und das Erkennen der eigenen Sexualität ziehen sich wie ein zusammen gezwirbelter roter Faden durch das Buch. Insbesondere die Szene zwischen Matti und Can, in der sich nach jahrelanger Freundschaft endlich ihre Gefühle Bahn brechen, hat mich sehr berührt.
Negativ erwähnen muss ich leider das Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwar handelt es sich um ein Hardcover, doch 24,00 Euro sind für ein Jugendbuch mit weniger als 200 Seiten einfach nicht angemessen!
Fazit. 'Das Knistern im All' ist ein außergewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, der viele wichtige Themen anspricht ohne dabei oberflächlich zu bleiben. Im Gegenteil, der Schreibstil ist anspruchsvoll und wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Das Ende fand ich zwar ein bisschen drüber und unrealistische, trotzdem ist es m.M.n. eine empfehlenswerte Geschichte. 3,5 Sterne.