Sara ist eine junge Frau, Mitte zwanzig, die sich nach Nähe und Geborgenheit sehnt. Gleichzeitig verursachen jegliche Art von Annäherung durch Berührungen bei ihr Panikattacken, die von schweren körperlichen Beeinträchtigungen begleitet werden. Tiefgreifende therapeutische Gespräche zeigen zunächst wenig Wirkung, suchen nach Ursachen, die diese posttraumatische Belastungsstörung hervorgerufen haben, um gezielt positiven Einfluss auf ambivalente Gedanken mit selbstzerstörender Wirkung nehmen zu können.
Als sie eines Tages Miles kennenlernt, scheint sein rücksichtsvoller Charakter, sein vorsichtiges Verhalten ihr gegenüber, einen Weg in die psychische Normalität für Sara zu ebenen. Doch wie lang und vor allem schmerzlich dieser Gang ist und welche Belastung er für alle Beteiligten mit sich bringt, zeigt die stets vorhandene Ungewissheit darüber, was gerade geschehen darf oder wo heute ein absolutes Tabu existiert, was gestern noch möglich war.
Charlotte Paradise legt mit Herzflut ihren ersten Roman vor, der verkraftet werden muss. Schwerwiegende Themen können triggern, worauf im Buch ausdrücklich hingewiesen wird. Die intensive Auseinandersetzung der Autorin mit einer scheinbar lebenslustigen Mitzwanzigerin, die von jetzt auf gleich durch Gerüche, Worte, Bilder, Geräusche in einen Zustand hilfloser Furcht versetzt werden kann, erfolgt schonungslos authentisch. Sie benennt Ursachen von Verletzungen der Gefühle und deren Auswirkungen auf uns Menschen, die ein Leben unbarmherzig bestimmen können. Eine angestrebte Verhaltensnormalität, so schreibt sie, ist dabei weniger durch Verdrängung als durch Verstehen und Erkennen erreichbar.