Stadt aus dem Fenster zu schauen erzählt die Geschichte von Sophie, einer Studentin, die immer alles richtig macht. Sie war eine Einzelschülerin, eine brave Tochter und jemand, auf den man sich verlassen kann. Ihr Leben verläuft in geordneten Bahnen bis sie eines Tages eine ungewöhnliche Entscheidung trifft: Sie kauft ein Haus in Ostdeutschland für nur 3.000 Euro. Ohne genau zu wissen, wie ein Hauskauf funktioniert oder was auf sie zukommt, stürzt sie sich in dieses Abenteuer. Man begleitet Sophie bei jedem Schritt, bei jeder Unsicherheit und bei jedem kleinen Erfolg. Die Herausforderungen rund um das alte Haus bringen sie dazu, über sich selbst hinauszuwachsen. Beim Lesen hat man fast das Gefühl, selbst in diesem Haus zu wohnen, durch die leeren Räume zu gehen und mit ihr Pläne zu schmieden. Besonders berührend ist, dass die Autorin auch Themen anspricht, die viele Menschen sofort mit Ostdeutschland verbinden zum Beispiel Neonazis. Dieses schwierige Thema wird jedoch sehr menschlich und differenziert dargestellt. Die Autorin bezieht klar Stellung und macht deutlich, dass Neonazis keine Selbstverständlichkeit in Ostdeutschland sind. Sie zeigt vielmehr, dass dort viele Menschen leben, die eine klare und aufrichtige Haltung gegen Rechtsextremismus haben. Dadurch bekommt die Geschichte eine gesellschaftliche Tiefe, ohne belehrend zu wirken. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Die Kapitel sind kurzweilig, und die Gedanken und Erlebnisse der Protagonistin wechseln sich lebendig ab. Man kann das Buch problemlos in einem Zug durchlesen, weil man immer wissen möchte, wie es weitergeht. Ein schönes, ehrliches Buch, das zum Nachdenken anregt. Ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.