Dell Danvers braucht Geld. Viel Geld. Aber nicht für sich, sondern für ihre Schwester, die im Koma liegt. Was eignet sich da besser als ein Non-Stop Live Streamathon bei dem sie ihr Leben nahezu jede Sekunde live mit Followern teilt und diese ihr dafür Geld spenden? Was wäre noch besser? Richtig! Das ganze mit ein wenig Chilis anzuheizen!
Und so haben wir grob den Plot von Just Watch Me von Lior Torenberg auch schon zusammengefasst.
Dass für unserer Protagonistin Dell das ganze ziemlich sicher und ziemlich schnell aus dem Ruder gerät ist irgendwie von Anfang an klar, die Frage ist nur wie?
Dell selbst ist nicht unbedingt sympathisch, schreit sie doch direkt auf den ersten Seiten einen Kunden an, wirkt überhaupt wahnsinnig Pubertär (trotz ihres Alters) bzw emotional einfach unreif, ist unfreundlich, pampt Leute an die es nur gut mit ihr meinen und klaut. Dass so eine Protagonistin trotzdem funktioniert sehen wir hier, denn trotz allem hatte ich Mitgefühl mit Dell, sie hat sich diese ganze traumatische Situation mit ihrer Schwester sicher nicht ausgesucht und leidet. Zudem war es spannend zu sehen wie sehr Dell für Geld immer wieder, immer weiter über ihre Schmerzgrenze hinausgeht.
Ein Touch Body-Horror ist auch vorhanden, allein schon durch die Beschreibungen der Chili Challenges, aber auch darüber hinaus in anderen Momenten. Man darf als Leser:in hier definitiv nicht zimperlich sein. Momente auf der Toilette werden genauso beschrieben, wie alles andere und das macht stellenweise definitiv Sinn.
Der Schreibstil ist, wie Dell selbst, hier und da pampig und direkt und besticht durch klare Worte, einigen Metaphern und mehr als man auf den ersten Blick so meint.
Hier und da habe ich einige Sachen kommen sehen, allerdings habe ich zum einen auch schon viel in die Richtung gelesen und zum anderen bin ich mir gar nicht so sicher, wie versteckt hier das ein oder andere überhaupt für uns Leser:innen sein soll.
Allerdings hatte ich aufgrund der Protagonistin und des gesamten Rahmens der Geschichte durchgehend das Gefühl, dass dieses Buch sich eher an jüngere Leser:innen wendet und für den Bereich Young Adult gedacht ist.
Mich persönlich stört das nicht, dadurch hat das Buch bei mir allerdings auch keine Themen getroffen, wie der Beginn ins Erwachsenen Leben die mich unmittelbar auch betreffen und mit Dell identifizieren konnte ich mich auch nicht. Das muss meiner Meinung nach auch nicht unbedingt sein um ein Buch genießen zu können. Bücher sind Fenster in andere Leben, Welten und Gedanken. Da ist es nur logisch, dass nicht alles so zu mir passt, dass ich mich im Gelesenen wiederfinde. Ein Buch ist auch dann für mich bereichernd, wenn es mir einfach eine andere Lebensrealität aufzeigt und das ist hier der Fall.
Ich kann nicht direkt sagen, dass ich es mochte das Buch zu lesen, dafür war es an vielen Stellen viel zu schmerzhaft Dell bei ihrer Selbstgeißelung zu zu sehen, aber auf jeden Fall habe ich es gern gelesen.
Daher gibt es von mir 3,5/5 Sternen (aufgerundet auf 4).