Jessamyn weiß seit sie 19 ist, dass sie bald ein großer Musicalstar sein wird. Nun ist sie 26 und arbeitet als Platzanweiserin in einem Theater. Aber sie lebt weiter ihren Traum. Dafür hat sie sich mit ihrem Vater überworfen, sich mit Männern eingelassen und Geld für Gesangsstunden ausgegeben, das sie eigentlich nicht hat. Nun sieht sie ihre Stunde gekommen, denn das Theater plant die Inszenierung des Musicals Sound of Music Die Hauptrolle der Maria ist ihr auf den Leib geschrieben. Das wird ihr Durchbruch ! Statt auf der Bühne findet sich Jessamyn in der Rolle der Betreuerin der Kinderdarsteller wieder. Und sie ist sicher, das muss ein Missverständnis , eine Intrige sein und sie wird sich ihre Chance nicht nehmen lassen.
Die Autorin lässt Jessamyn ihre Geschichte selbst erzählen und so erhalte ich tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt und wie sie ihre Umwelt wahrnimmt. Ich glaube, ich habe noch nie einen Roman gelesen, in dem mir die Hauptperson so unsympathisch war wie hier. Jessamyn lebt in ihrer eigenen Welt, deren Mittelpunkt und einzige Quelle des Glanzes sie selbst ist. An ihren Mitmenschen lässt sie kein gutes Haar, wenn sie sie als Konkurrenz wahrnimmt, was sie eigentlich bei allen tut. Andere manipuliert sie, wenn sie sich einen Nutzen davon verspricht. Empathie ist ein Fremdwort für sie. So verwundert es nicht, dass sie keine wirklichen Freunde hat.
Ich war zuerst fasziniert von dieser verstörenden Persönlichkeit, dann abgestoßen, fassungslos, wütend und entsetzt. Erst gegen Ende regt sich bei mir etwas Mitleid und ein Anflug von Verständnis. Ich bin nicht einmal sicher, ob mich das Buch gut unterhalten hat. Musss wohl aber so sein, denn ich konnte nicht aufhören zu lesen. Die Geschichte war so völlig außerhalb meiner eigenen Lebenswirklichkeit . Das Ende musste zwangsläufig so kommen.
Was mich aber zeitweise gestört hat, Jessamyns Sichtweise wird in meinen Augen zu oft wiederholt. Das ergab für mich zwischendurch ein Gefühl von Langeweile, bis ein neuer Aspekt sichtbar wurde.