Inhalt:
Die beiden Schwestern Sigrid und Margit stehen sich als junge Erwachsene nicht mehr sonderlich nahe. Ein tragisches Ereignis zwingt die beiden, die Kluft zwischen ihnen zu konfrontieren und sich mit ihrer Kindheit auseinanderzusetzen.
Meine Meinung:
Dem Roman gelingt die Balance zwischen einem leichten, selbstironischen Tonfall mit viel trockenem Humor und den schwierigen Themen, die er behandelt. Die Mischung aus Leichtigkeit mit dem notwendigen Ernst an den richtigen Stellen hat mir gut gefallen.
Zum größten Teil enthält das Buch keine aktive Handlung, sondern reflektiert und verarbeitet zurückliegende Ereignisse. Vignettenhaft werden unterschiedliche Erinnerungen aus dem Leben der Schwestern beleuchtet. Dabei sind die Erzählerinnen auch nicht immer zuverlässig, sondern einiges stellt sich im Laufe des Romans als unwahr heraus.
Zentrales Thema sind dabei familiäre Beziehungen - sowohl zwischen den Schwestern selbst als auch die zu ihren Eltern, welche ebenfalls eine komplizierte und gewalttätige Beziehung führen. Spannend fand ich die Darstellung, wie unterschiedlich sich das konfliktgeprägte Elternhaus auf die Schwestern ausgewirkt hat und wie unterschiedlich die beiden damit umgehen. Ihre Bewältigungsstategien sind fundamental unterschiedlich und führen auch dazu, dass sie sich im Laufe der Zeit entfremden, statt näher zusammenzuwachsen, wie man es eigentlich erwarten würde.
Dabei ist die Sprache des Romans sehr zugänglich, teilweise fast schon flapsig, wodurch die Schwestern jedoch auch sehr eindringliche eigene Stimmen erhalten. Es fühlt sich teilweise wirklich so an, als würde Sigrid oder Margit einem gegenübersitzen und aus ihrem Leben erzählen. Dieser Erzählstil wird sicher nicht jedem zusagen, aber für mich hat er gut funktioniert!
Etwas schade fand ich, dass gewisse Themen nicht noch tiefer behandelt wurden. Es waren alle Voraussetzungen geschaffen - mit greifbaren und interessanten Charakteren, die auch etwas zu erzählen haben - um teilweise noch intensiver in die Geschichte einzusteigen. Da wirkte das Ende dann leider etwas überhastet.
Dennoch kann ich das Buch - sofern man sich auf den etwas eigenen Erzählstil einlassen kann - auf jeden Fall empfehlen. Für mich war es eine wirklich interessante und bereichernde Leseerfahrung!