In "Von Nahem betrachtet ist alles gar nicht so schlimm" von Lauren Bravo musste ich mich erst einlesen, dann hat es mich aber gepackt.
Bryony hat ein Problem: Ed, der Mann mit dem sie sich ab und an getroffen hat und den sie nicht als Beziehung bezeichnen würde, ist verstorben. Seine Familie informiert sie darüber, er hat offensichtlich was ihre Beziehung betrifft einiges nicht so ganz erzählt, wie es wirklich war. Zukünftige Ehefrau und große Liebe??? Sie will nicht unhöflich sein und schon gar nicht Eds Familie in der Trauer mit einer Korrektur belasten. Und so gerät sie in eine chaotische Familie, Und durch eben diese Familie ändert sich auch ihr Blick auf sich selbst.
Bryony ist eine Protagonistin, an die man sich erst gewöhnen muss. Sie ist Hypochonderin, kann schlecht nein sagen und will niemandem weh tun. >Insbesondere die Schilderung ihrer Hypochondrie ist der Autorin sehr gut gelungen. Wenn ich das Nachwort richtig interpretiert habe, leidet die Autorin selbst unter Hypochondrie. Jeder, dabei nehme ich mich nicht aus, ist oft genervt von Menschen mit Hypochondrie. Dabei wird leider vergessen, dass auch diese Menschen unter der Krankheit leiden. Diesen Aspekt hat Lauren Braavo gut herausgearbeitet. Ja, Bryony ist eine Chaotin, aber auf liebenswerte Weise. In manchen Situationen hätte ich sie auch gerne einmal Nein sagen hören, aber das wäre dann auch nicht Bryony gewesen. Eds Familie, allen voraus seine Mutter, betreibt einen regelrechten Kult um Ed. Eine Gedenkfeier jagt die nächste - aber Bryony nimmt immer teil, auch wenn ihr nicht danach ist und sagt eben nicht Nein. An manchen Stellen ist es tragikomisch, aber immer feinfühlig formuliert. Die Sprache hat mir gefallen, ich konnte mir Bryony und ihre neue Familie gut vorstellen. Die Dialoge sind passend zu den Charakteren und auch hier blitzt immer wieder Humor durch. Eine Frage bleibt offen, die Bryony nicht gelöst hat. Schade eigentlich! Ich wäre vielleicht doch zu neugierig gewesen. Was es war? Verrate ich nicht, denn spoilern will ich nicht.
Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten hat mir der Roman gut gefallen, deshalb bekommt er von mir auch gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung!